Chronik

Chronik der Vierländer Speeldeel

3. September 1964

„Am dritten September 1964 traten die Unterzeichneten im Hause von Marga Puttfarcken, Hmb.-Neuengamme […] zusammen, um den Verein „De Veerlanner“ zu gründen. „De Veerlanner“ haben sich zum Ziel gesetzt, Volkstänze, die Heimatsprache und das plattdeutsche Liedgut zu pflegen, gleichzeitig die Vierländer Tracht als Tradition zu bewahren“ (Auszug aus der Gründungsurkunde der Vierländer Speeldeel).

Die 21 Gründungsmitglieder unseres Vereins sind Hilke Wendt, Hertha Villinger, Marga Puttfarcken, Helga Steffens, Marlis Neubert (Reimers), Monika Alexander, Margret Rieck, Karin Schümann, Elke Harden, Erich Heitmann, Wolfgang Heitmann, Ulrich Villinger, Uwe Wendt, Pastor Otto Grau, Werner Nimmesgern, Doris Wulff , Karl-Heinz Schümann, Klaus  Schümann,  Gerhard  Krasch, Marlies Schütt und Rita Heitmann.

Erster Vorsitzender wird Erich Heitmann.

Als Übungslokal wird der „Gasthof Achterdiek“ von Christiansen festgelegt. Dort werden ab sofort jeden Montagabend Tänze, Gedichte und Lieder sorgsam einstudiert. Unterstützung bekommt unser Verein durch eine enge Zusammenarbeit mit der „Finkwarder Speeldeel“, welche zu jener Zeit im In- und Ausland bereits einen guten Ruf hat.

1964-1969

Schon in den ersten Jahren unserer Vereinsgeschichte ereignet sich sehr viel: Auf der ersten Jahreshauptversammlung 1965 wird die Namensänderung des Vereins in „Vierländer Speeldeel De Veerlanner“ beschlossen und anschließend eine Eintragung ins Hamburger Vereinsregister vorgenommen.

1965 wird unsere Kindergruppe gegründet unter der Leitung von Elke Harden und Marlies Neubert (Reimers). Bis zum Ende dieses Jahres können wir bereits 35 Mitglieder bei den Lütten verzeichnen. So viele Kinder bedeuten natürlich auch viel Arbeit – Kindertrachten müssen genäht werden. Die vielen Stunden Heimarbeit möchten wir uns im Nachhinein gar nicht mehr vorstellen.

Im Juni 1965 treten die Erwachsenen ihre erste Auslandsreise nach Domfront (Normandie, Frankreich) an. Wieso nach Frankreich? Die „Finkwarder Speeldeel“ war ursprünglich dorthin eingeladen worden, konnte die Reise aber nicht antreten. Daraufhin sprach Adi Albershardt (Vorsitzender der „Finkwarder Speeldeel) mit den Veerlannern und die Fahrt nach Domfront zur Gruppe „Le Trou Normand“ wurde beschlossen. Die Aufregung und Vorfreude ist groß, es wird fleißig geübt, um sich in Frankreich bestens präsentieren zu können. Und letztlich zahlt es sich aus – die Ausfahrt wird ein voller Erfolg und ein langjähriger Kontakt findet seinen Anfang!

Zwei weitere Folkloregruppen, mit denen von Anfang an eine enge Freundschaft besteht, sind „De Losser Böggelrieders en Daansers“ aus den Niederlanden (Losser/Twente) und der „Schlitzerländer Trachten- und Volkstanzkreis“ aus Hessen. Gegenseitige Besuche zu Trachtenfesten oder anderen Gelegenheiten finden jährlich statt.

Neben der Präsentation durch Auftritte im In- und Ausland (z.B. diverse Vierländer Veranstaltungen wie das Niederwärtser Heimatfest, Internationales Folkloretreffen in Finkenwerder, Fest der Nationen, Kieler Woche) organisieren wir 1969 ein erstes eigenes Fest in Verbindung mit dem Neuengammer Schützenfest. Eingeladene Gäste sind „De Losser Böggelrieders en Daansers (Niederlande), „Le Trou Normand“ (Frankreich), eine belgische Gruppe aus Wetteren, die „Finkwarder Speeldeel“ und der „Schlitzerländer TVK“.

1970-1979

Die Siebziger Jahre bleiben für die Speeldeel ereignisreich. 1970 findet sie mit dem „Gasthof Seefeld“ (Inhaber Uhlig) ein neues Vereinslokal. Ab sofort wird dort dienstags geübt.

1971, 1974, 1975 fahren die Vierländer nach Losser zu den Böggelrieders en Daansers. 1970 findet das Fest der Nationen in Finkenwerder, Bergedorf und Bad Segeberg statt. Die Speeldeel ist dazu eingeladen und lädt zu diesem Anlass die befreundeten Niederländer ein.

1971 bestreitet die Vierländer Speeldeel das bunte Programm beim Niederwärtser Heimatfest in Neuengamme und lädt natürlich auch zu diesem Anlass die oben genannten Freunde als Unterstützung ein.

1973 ist die Kindergruppe bei der Landjugend Wehrheim in Hessen zu Gast. Im selben Jahr beschließen wir, dass unsere männlichen Vereinsmitglieder weiße Trachtenstrümpfe tragen

1974 feiern wir unser zehnjähriges Bestehen und organisieren ein Trachtenfest im Rahmen des Niederwärtser Heimatfestes mit Gästen aus Wehrheim, Scheeßel und Losser.

Anfang/Mitte der Siebziger Jahre beginnt der Kontakt mit der Scheeßeler Trachtengruppe „De Beekscheepers“. Dorthin fährt die Speeldeel 1977 und 1979 zum Beeke-Trachtenfest.

1976 laden wir zum Niederwärtser Heimatfest neben der Vierländer Trachtengruppe befreundete Tanzgruppen aus Lauterbach, Scheeßel,  Losser, Malmö und Domfront ein.

1978 wird unsere Vereinsfahne angeschafft.

1978 lernen wir auf einer Fahrt nach Domfront die schwedische Tanzgruppe kennen, die auch an unserem diesjährigen Jubiläum bei uns zu Gast ist. Da wir uns so gut mit ihnen verstehen, fahren wir 1979 nach Dösjebro (Schweden) zum Mitsommerfest. Die Fahrt dorthin findet zusammen mit den Böggelrieders statt: Wir fahren mit einen Bus gemeinsam nach Schweden. Damit auch alles passt (vor allem die Hochräder der Niederländer), müssen einige Sitze ausgebaut werden. Was für ein Aufwand – aber Spaß macht die Tour! Weitere Ausfahrten machen wir in diesem Jahrzehnt nach Hermannsburg (Niedersachsen), Lauterbach (Hessen), Lindhorst (Niedersachsen) und Wilsede (Niedersachsen).

Große Auftritte finden auch in Hamburg statt: auf einem englischen Musikdampfer an der Überseebrücke, auf der Queen Elisabeth oder Partys im Hotel Intercontinental. Toll ist auch ein Auftritt beim FC St. Pauli. In den Vier- und Marschlanden zeigen wir uns bei Schützen- und Feuerwehrfesten, Sport- und anderen Vereinen und vielen anderen schönen Veranstaltungen.

1980 – 1889

In den Achtziger Jahren wiederholen sich  viele  bisherige  Fahrten  (vor allem  nach  Losser,  Lauterbach, Scheeßel  und  Dösjebro). Hinzu kommen unter anderem Reisen nach Zwolle  (Oberijssel/Niederlande)  im Jahr 1980 zum Hansestadtfest (dies ist das erste Hansestadttreffen der

Neuzeit), Berlin (Grüne Woche 1981 und 1984, Bundesgartenschau 1985), München (Internationale Gartenausstellung 1983), Nürnberg zum Stadtfest 1985, Schlitz 1987 und Düsseldorf  1989  zur  800-Jahr-Feier  des Hamburger  Hafens.  Als  Dank  für unsere  Auftritte  werden  wir  vom Hamburger  Senat  zu  einer  Hafenrundfahrt  und  Elbfahrt  auf der Senatsbarkasse eingeladen.

Als wir 1981 zur Grünen Woche nach Berlin  fahren,  wird  es  für  manche Mitglieder  ganz  schön  heikel:  In unserem Bus gibt es keine Toilette, was für einige ein Problem ist. Wir schaffen es aber gerade noch rechtzeitig in die Stadt. Damit die Rückfahrt  entspannter  wird,  wollen  wir einen Eimer kaufen. Das ist aber gar nicht so einfach. Erst an einem Imbiss können wir einen bekommen. Puh!

Wovon viele unserer Mitglieder allerdings heute noch schwärmen, sind einige besondere Auftritte:

Zum Einen ist die Vierländer Speeldeel 1982 zu Gast in Saarbrücken beim „Großen Wunschkonzert der Volksmusik“, moderiert von Carolin Reiber und Max Schautzer. Andere Gäste sind unter anderem Heino, Gitti und Erika („Heidi“), Fred Bertelmann („Der lachende Vagabund“) und einige andere Folklore-Musiker und –Trachtengruppen.

1983 tritt die Speeldeel bei „Talk op Platt“ auf. Die Sendung wird im Zollenspieker Fährhaus aufgenommen und live gesendet. Gerlind Rosenbusch, Ewald Christophers und Dirk Römmer führen durch das Programm. Viele andere Vierländer sind ebenfalls eingeladen, sowohl als Talkgäste als auch zur bunten Unterhaltung.

Als unser Altkanzler Helmut Schmidt 1983 zum Ehrenbürger von Bonn ernannt wurde, sind die Veerlanner ebenfalls dorthin gereist, um ihm ein schwungvolles „Rolling home“ zu singen. Herr Schmidt ist davon so begeistert, dass er mithilfe seines Mikrofons kräftig mitsingt.

Zudem tritt die Vierländer Speeldeel im Volksparkstadion 1988 zur Fußball-EM auf. Dies war und ist das bisher einzige Endrundenspiel, was in unserem Hamburger Stadion stattfand. Wer spielt gegeneinander? Deutschland gegen die Niederlande im Halbfinale der EM. Deutschland verliert übrigens… Die Speeldeel aber hat einen unvergesslichen Auftritt mitten auf dem Spielfeldrasen und kann sogar einige Nationalspieler von Nahem sehen.

In Hamburg und Vierlanden präsentieren wir uns unter anderem bei den Festen der Nationen (in Finkenwerder und Bergedorf), beim Schlauchbootwettkampf der Freiwilligen Feuerwehren, auf der Rickmer Rickmers, bei „Du und deine Welt“, beim Stiefmütterchenfest in Curslack und auf dem Niederwärtser Heimatfest.

1983 wechseln wir zu unserem noch heute aktuellen Vereinslokal, dem „Schützenhof“ von Gerd Pahl in Neuengamme.

1989  feiern  wir  unser  25jähriges Vereinsjubiläum mit unseren altbekannten Gästen aus Schweden, Dänemark, Niederlande, Niedersachsen und Hessen. Zur Feier des Tages bauen die Vierländer Schützen ihre Ehrenpforte  in  der  Einfahrt  des Schützenhofs  Pahl  auf  und  viele Flaggen teilnehmender Vereine und Nationen wehen auf dem Schützenplatz  in  Neuengamme.  Wir  feiern unser  Bestehen  mit  einem  bunten Programm aus Folklore und anderem Sehenswerten. Politiker des Bezirks sind anwesend und feiern zusammen mit den vielen Vereinsabordnungen. Erich Heitmann erinnert an die vergangenen Jahre. Ein schönes Fest!

1990 – 1999

In den Neunzigern reisen wir 1990 nach Dänemark, 1992 nach Katzenberg (Hessen) und zur Floriade (Intertationale Gartenschau) in Den Haag, Paris (1992), Schweden (1990, 1994), Kaustinen (Finnland) (1997), Winningen an der Mosel (Rheinland-Pfalz) (1998) und Marcali (Ungarn) (1999). Weitere Trachtenfeste besuchen wir unter anderem in Nordsehl und auf dem Kiekeberg.

1991 übernimmt Jürgen Dreekmann den Vorsitz und löst Erich Heitmann nach knapp 27 Jahren als „Speel-Baas“ ab.

1992 lassen wir uns ins Telefonbuch eintragen. Im selben Jahr gründen wir die Jugendgruppe unseres Vereins, die ab dann die Erwachsenengruppe unterstützt und sie auf so manchen Ausfahrten begleitet. Natürlich absolviert sie auch eigene Auftritte.

1994 starten wir das erste Mal einen Laternenumzug. Seither leuchten die Laternen vieler Kinder stets am 2. Oktober durch Kirchwerder und duftet es herrlich nach frischer Bratwurst auf dem Kirchwerder Kirchenparkplatz.

1996 treten wir in der „Aktuellen Schaubude“ auf.

In der Heimatregion nehmen wir weiterhin am Bergedorfer Stadtfest teil, außerdem sind wir zum Beispiel auf dem Maimarkt in Curslack, beim Niederwärtser Heimatfest und dem Erdbeerfest am Rieckhaus zu erleben.

1997 lassen wir das erste Mal Vereins-Visitenkarten drucken, 1998 nehmen wir unsere Musik auf Kassette und CD auf. Da das Hamburger Wetter doch so manches Mal recht feucht ist, werden zudem Vereins-Regenschirme angeschafft, die unsere wertvollen Trachten und natürlich auch uns Mitglieder darin schützen sollen.

Besonders zu einem Lied können wir hier eine kleine Anekdote erzählen: Anlässlich unserer Fahrt nach Kaustinen in Finnland studierten wir ein Lied für unsere Gastgeber als Geste der Dankbarkeit ein: „Winde wehn“. Warum? Laut Liederbuch sei dies eine alte finnische Volksweise. „Da werden sich die Finnen aber freuen, wenn wir ihr Lied für sie singen“, so dachten wir uns. In Kaustinen gesungen, warteten wir auf die Reaktion und wunderten uns, warum da keine Rückmeldung kam. Später kam die Auflösung: Die Bezeichnung in unserem Liederbuch war falsch – „Winde wehn“ ist eine alte schwedische Volksweise. Kein Wunder, dass es den Finnen nicht wie geplant zu Herzen ging… Aber was soll’s, schön ist das Lied trotzdem und singen tun wir es heute noch gerne J.

2000 – 2014

Die letzten 15 Jahre lassen sich gut zusammenfassen.

2000 besucht uns die Kindertanzgruppe aus Winningen an der Mosel. Dies ist besonders für alle Kinder unseres Vereins ein besonderes Erlebnis, denn sie bekommen damit Übernachtungsbesuch!

In die Ferne schweifen wir nach Polen (2000, 2009), Schweden (2001, 2004, 2008), Würzbach (Schwarzwald) (2001), Losser (2002, 2004, 2010), Wendlingen (Baden-Württemberg) zum Bundestrachtenfest, Scheeßel zum Internationalen Beeke-Trachtenfest (2005, 2011), Lindhorst (2006), Schwalenberg zum Internationalen Trachtenfest (2006, 2012), Fischach (2007, 2013), Bolsward (friesische Niederlande) zum Pfingstfest (2008), Neustadt/Holstein (2010) zum Internationalen Trachtenfest und Schlitz (2011).

2001 treten wir dem Landestrachtenverband Niedersachsen (LTN) bei und nehmen auch gleich am Tag der Niedersachsen in Lüneburg im selben Jahr teil. Weitere Ausfahrten, veranstaltet durch den LTN, finden statt nach Bad Nenndorf (2003), Holzminden (2004), Wolfsburg (2005), Northeim (2006), Cuxhaven (2007), Winsen/Luhe (2008), Bad Nenndorf (2009), Fallersleben (2014). Das Schöne an diesen Veranstaltungen ist, dass sie eine sehr gute Gelegenheit bieten, die komplette Gruppe daran teilnehmen zu lassen. Dies tun wir, wann immer es geht. Bei diesen Trachtenfesten schlafen wir in Klassenräumen der dem Festgelände naheliegenden Schulen und können so immer wieder neue Freundschaften und Kontakte knüpfen, da unterschiedlichste Vereine Raum an Raum nebeneinander für ein Wochenende wohnen. So kann das Fest an den Bühnen oder in der Stadt schon längst vorbei sein – in der Schule wird im Anschluss weitergefeiert. Toll für den Zusammenhalt der Gruppe J! Da stört es dann auch nicht mehr ganz so sehr, wenn nachts ein leichtes Schnarchen zu vernehmen ist…

In den 2000er Jahren (2003 – 2007 und 2010) organisieren wir Vierländer Heimatabende und Nachmittage im Zollenspieker  Fährhaus.  Hier  präsentieren wir uns nicht nur auf traditionelle Art, sondern zeigen auch Neues und extra Einstudiertes. Besonders zu erwähnen ist hierbei die Jugendgruppe, die sich stets andere Showeinlagen ausdachten.

2008 werden wir Mitglied des C.I.O.F.F. (Conseil International des Organisations de Festivals de Folklore et d’Arts Traditionnels), dem Internationalen Rat für die Organisation von Folklorefestivals und Volkskunst. Zweck dieser Organisation ist die Bewahrung, Förderung und Verbreitung traditioneller Kunst und Folklore.

2009 tritt Jürgen Dreekmann als erster Vorsitzender  zurück  und  Michael Bornhöft,  der  schon  lange  Jahre zweiter Vorsitzender ist, übernimmt seinen Posten. Seit 2012 leitet Jürgen Dreekmann erneut unseren Verein.